Rassebeschreibung vs. Wahrheit

 

 

 

Im Internet liest man immer wieder die gleichen Beschreibungen zum Sheltie. Wenn mich jemand fragt wie ein Sheltie nun wirklich ist, muss ich tatsächlich kurz überlegen, was ich sagen soll. Denn Fakt ist, eine Rasse hat bestimmte Verhaltensmuster, doch das kann man nie verallgemeinern. Jeder Sheltie ist ein Individuum und es gibt sie in allen Facetten.

 

Vom eher seltenen Couch-Potato, über einen agilen unauffälligen Alltagshund bis hin zum verrückten Power-Sportler ist alles dabei. Aber lest selbst:

 

Die Rassebeschreibung die jeder kennt:

 

Der Sheltie ist ein kleiner, langhaariger Arbeitshund von großer Schönheit, nicht plump oder grob wirkend. Das üppige Haarkleid, die üppige Mähne und Halskrause und ein schön geformter Kopf mit seinem lieblichen Ausdruck verbinden sich zum idealen Erscheinungsbild. Langes raues Deckhaar mit dichter Unterwolle.

Temperamentvoller bewegungsfreudiger Hund. Schnell und wendig. Ausgesprochen freundliches Wesen, sehr liebevoll und ein angenehmer Begleiter. Seine Familie ist sein Ein und Alles. Er ist sensibel und möchte gefallen, so ist er für Anfänger geeignet und leicht zu erziehen. Fremden gegenüber wachsam-reserviert, aber stets freundlich.

Der wahre Sheltie unter der standardisierten Rassebeschreibung:

 

 

 

Die Fellbombe

 

 Hundehaare. Hundehaare und nochmal Hundehaare.

 

Man kann es sich ja sicher schön reden, oder es verschweigen, aber die Wahrheit ist: Sie sind überall und begleiten den Menschen gerne an jeglicher Kleidung, im Auto und natürlich überall im Haus. Wollmäuse können zu Wollratten werden und sie verstecken sich in allen Ecken.

 

Dennoch ist die Fellpflege bei einem Sheltie recht unkompliziert. Außer im Fellwechsel, reicht wöchentliches Bürsten und gelegentliches freischneiden (Das ist natürlich Geschmackssache) aus.

 

Da es sich um weiche lange Haare handelt lassen sie sich auch einfacher von Textilien entfernen, als z.B. Haare von Kurzhaarhunden. Unsere beste Anschaffung war hier ein Wasserstaubsauger. Damit bekommt man wirklich alle Haare weg und auch den Dreck, der vom Fell abfällt, wenn die Hunde sich im Feld ordentlich ausgetobt haben.

 

Man sollte sich einfach bewusst sein, das jeder Hund haart und das ein Langhaarhund etwas mehr Fellpflege benötigt als ein kurzhaariger. Wenn man damit kein Problem hat, hat man mit einem Sheltie ein wundervolles Leben, erfüllt mit Hundehaaren und viel Liebe.

 

 

 

Der Anfängerhund

 

Ja der Sheltie ist ein guter Hund für Anfänger. Dennoch ist jeder Hund ein lebendes Wesen und keine Maschine. Auch ein Sheltie kommt z.B. in die Pubertät und testet gerne mal seine Grenzen aus.

 

Grundsätzlich ist der Sheltie: einfach, sympathisch, offen, freundlich und höflich. 

 

Der Sheltie hat einen enormen "will to please", was bedeutet, dass er seinem Besitzer gefallen möchte. Ein Sheltie lässt sich meist problemlos erziehen und ist eine wahre Freude im Alltag. Shelties sind sehr intelligent und sensibel, sie lernen gerne und schnell. Meist sind sie die Streber in jeder Hundeschule.

 

 

 

Der Jagdinstinkt

 

Der Jagdinstinkt bei Hunden unterteilt sich in verschiedene Phasen. Wittern - Fixieren - Hetzen - Packen. Da der Sheltie ein Hütehund ist, ist bei ihm das Hetzen sehr ausgeprägt. Er reagiert sehr schnell auf Bewegungsreize und liebt es hinter etwas her zu flitzen. Auch im Spiel merkt man, dass Shelties im Gegensatz zu anderen Hunden eher "Fangen spielen", als sich zu prügeln. Man kann also nicht sagen, dass Shelties keinen Jagdinstinkt haben. Es gibt Vertreter die sich nicht für Wild etc. interessieren, aber genauso gibt es die jenen unter Ihnen, die gerne mal einen Abstecher in den Wald machen oder gar Vögel, Auto, Fahrräder jagen. Wenn dieses Verhalten sofort und strickt unterbunden wird, lässt es sich jedoch meist sehr gut handhaben.

 

 

 

Der Arbeitsjunkie

 

Ja, der Sheltie ist ein ursprünglicher Arbeitshund und er liebt es beschäftigt zu werden. Ebenfalls zeigt der Sheltie oft eine große Begeisterung für Sportarten wie Agility, etc.

 

Allerdings bedeutet das nicht, dass ein Sheltie jeden Tag über einen Parkour gehetzt werden oder 20km durch den Wald laufen muss um glücklich zu sein.

 

Ich habe schon oft gehört "Die müssen doch sicher sehr viel beschäftigt werden! Da muss man doch jeden Tag viel mit laufen!". Ja und nein.

 

Klar möchte ein Sheltie nicht sein Leben lang im Haus sitzen, aber er ist definitiv kein geborener Arbeitsjunkie.

 

Meine Shelties sind gerne bei allem mit dabei, doch genauso schätzen sie ihre Ruhetage die sie im Garten verbringen und einfach nur entspannt Hund sein dürfen.

 

 

 

Der Angsthase

 

Der Sheltie ist oft zu Unrecht verschrien als Sensibelchen und Angsthase. Das stimmt so nicht, bzw. sollte definitiv nicht so sein. Richtig ist, der Sheltie ist ein reservierter Hund. Er hat eine gesunde Vorsicht gegenüber Fremden und möchte sich auch nicht unbedingt von jedem anfassen lassen (was absolut legitim ist, ich möchte ja auch nicht von jedem ins Gesicht getatscht werden). Eine gewisse Distanzhaltung ist demnach völlig normal und gesund. Die meisten Menschen empfinden das als Ängstlichkeit, da sie Kaliber wie z.B. den "Ich-liebe-jeden-Labrador" gewohnt sind und die Einstellung haben, dass ein Hund jeden Menschen mögen und sich immer streicheln lassen muss. Ein gutes Beispiel ist hier mein Ace. Er sucht sich die wenigen Menschen die ihn anfassen dürfen aus, reagiert dabei aber nicht übertrieben panisch.

 

Wobei das alles natürlich kein Muss ist. Es gibt genügend Shelties die keine oder kaum Reserviertheit zeigen (wie z.B. Runa und Gizmo) und freudig auf alle Menschen zugehen und sich streicheln lassen.

 

Leider gibt es aber auch Shelties die durch diese Sensibilität und innere wie äußere Faktoren tatsächlich zu richtigen Angsthasen werden. Ein Hund der in vielen Situationen panisch reagiert, sich versteckt, zittert und die Rute einklemmt zeigt definitiv kein rassetypische Verhalten mehr. Ein solcher Hund ist nicht Wesensfest und sollte nicht in die Zucht gehen.

 

 

 

Der Rassist

 

Man kann es nicht anders sagen: Die meisten Shelties sind Rassisten.

 

Untereinander sind Shelties super verträglich. Ein Treffen mit 30 Shelties in einem Garten stellt kein Problem dar. Shelties untereinander sind höflich, freundlich und einfach eine Art Hund für sich.

 

Mit guten Kumpels verstehen sie sich und spielen auch schon einmal kleine Raufspiele, aber am liebsten ist ihnen ein schnelles Fangenspiel, bei dem einer den Hasen mimt und die anderen hinterher flitzen können.

 

Mit anderen Hunden sieht es jedoch meist nicht so rosig aus. Rüpelige Kampfspiele mögen sie gar nicht und große grobe Hunde können sich nur schwer mit Ihnen anfreunden. Mit sehr aufdringlichen Hunden können sie nur schwer umgehen, was bei unsicheren Shelties oft zu hilflosem fluchtartigem Verhalten führt.

 

 

 

Der Kläffer

 

Ja ein Sheltie ist ein Kläffer. Shelties haben eine geringe Reizschwelle und reagieren meist auf alles (ob nun für uns Menschen ersichtlich oder nicht) mit einem - mehr oder weniger lauten - Kommentar. Je mehr Shelties, umso vehementer das Kommentieren. Bellt einer, bellen alle.

 

Das sie liebevoll Bellties genannt werden kommt also nicht von ungefähr. Mit Erziehung kann man gegensteuern, aber komplett vom Kläffen abbringen kann man einen Sheltie nicht. Irgendwann lebt man eben damit und ab einem gewissen Punkt fällt es auch gar nicht mehr so auf. Zumindest einem selbst nicht, die Nachbarn sehen das vielleicht ein wenig anders. Auch im Spiel kläfft der Sheltie gerne und viel, aber er ist eben wie er ist. Wenn man keinen Kläffer möchte sollte man sich definitiv eine andere Rasse zulegen.

Mit freundlicher Genehmigung gemopst von Alena mit den Shelties of Ice and Fire